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Zwei, die gemeinsam anpacken

Robert begleitet Sandro bei der Ausbildung im Berufsbildungswerk

Es hämmert, brummt und stampft in Halle 1. Gelegentlich riecht es nach heißem Metall, nach verdampftem Kühlschmierstoff. Dann ein fauchendes Zischen – jemand säubert gerade ein Werkstück mit Druckluft.

Für Sandro Gradl  ist die weitläufige Werkhalle des Rummelsberger Berufsbildungswerks (BBW) mit ihren großen Fräs- und Drehmaschinen inzwischen das Normalste der Welt. Der 21-Jährige arbeitet seit gut zwei Jahren hier in der Metallverarbeitung. Er will Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik werden – ein neuer Beruf, den es erst seit kurzem gibt. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung in der Einrichtung der Rummelsberger Diakonie für junge Menschen mit Förderbedarf. Noch bleibt Sandro gut ein Jahr bis zur Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

Für Sandro ist die Werkhalle der ideale Arbeitsplatz  

Tüfteln, Ausprobieren, Konstruieren – für den jungen Mann ist die Werkhalle der ideale Arbeitsplatz. Ständig ist Sandro in Bewegung, muss etwas zu tun haben, hat, wie man so schön sagt „Hummeln im Hintern“. Die theoretischen Grundlagen lernt er in der Berufsschule des BBW. Was Sandro in der Praxis braucht, zeigt ihm sein Ausbilder Robert Endres. Seit Sandros erstem Tag in der Lehrwerkstatt begleitet der erfahrene Werkzeugmachermeister den Lehrling. Dass es der 59-Jährige gut mit ihm meint, spürte Sandro schon bei der ersten Begegnung. „Hier will ich die Ausbildung machen“, sagte er damals.   

Robert ist wie ein Trainer für Sandro  

Über Schaltpulte mit Monitor steuert man die CNC-Fräs- und Drehmaschinen, über jede Menge Drehschalter und Tasten in verschiedenen Farben. Von Robert lernt Sandro die Handgriffe, wie man die Maschinen programmiert, lernt die Materialien und Arbeitsprozesse kennen. Seine Aufgabe sieht der langjährige BBW-Mitarbeiter ähnlich der eines Trainers: Er will Sandros Stärken, sein Talent, rauskitzeln, wie er sagt. Beständigkeit, Motivation und das Vertrauen in Sandros Können bilden die Basis ihrer Beziehung. „Als Ausbilder muss ich Vorbild sein und meine Vorgaben auch vorleben“, sagt er. Neben den fachlichen Inhalten geht es in der Ausbildung auch um Schlüsselqualifikationen wie Kritikfähigkeit, Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen. 

Sandro setzt eigene Ideen um  

Der Umgangston in Halle 1 ist direkt. Es wird hart gearbeitet. Zwischendurch bleibt aber auch mal Zeit für einen Spaß. Ebenso für die Feedback-Runde vor Feierabend oder ein Gespräch unter vier Augen - wenn’s privat mal nicht so rund läuft oder man sich Luft machen muss. Unheimlich fleißig sei Sandro, sagt Robert. Ergibt sich ein freies Zeitfenster, packt Sandro sofort etwas Eigenes an. Mal versucht er eine Idee umzusetzen oder bastelt ein kreatives Geschenk. Mit zunehmendem Geschick und Erfolg, wie Robert erfreut feststellt.  

Robert glaubt an Sandro  

Inzwischen beherrscht Sandro das Programmieren, weiß wie er zum Beispiel eine Lochschablone aus Kunststoff fertigt. Jetzt stellt ihn Robert vor eine neue Herausforderung: Aus einem Metallzylinder soll ein Flaschenöffner werden, den man mit wenigen Handgriffen in einen Korkenzieher verwandeln kann. Den Prototyp hat Sandro vor sich liegen, weiß, wie das fertige Produkt – es wird ein Werbegeschenk – aussehen soll. Jetzt ist er dran, muss planen, wie er den Zylinder bearbeitet und mit welchen Arbeitsschritten er ans Ziel kommt. Das schafft er, ist Robert überzeugt.    

Text: Dorothée Krätzer