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Zwei, die Wünsche von den Augen ablesen können

Angelika und Pia arbeiten zusammen im Hotel und Restaurant Anders


Heute strahlt Angelika Konrad noch mehr als sonst. Gerade hat ein Ehepaar im Restaurant „Anders“ in Rummelsberg Platz genommen. Es sind Stammgäste. „Schön, dass du da bist. Wie geht es dir?“, begrüßen die Gäste die Servicekraft. Schnell nimmt Angelika die Bestellung auf. Dafür braucht sie diesmal keinen Block. Denn was diese Gäste essen wollen, weiß Angelika auswendig.

Im Team des „Anders“ sind alle per Du

Angelika heißt bei allen im Team des Hotels und Restaurant „Anders“ nur „Geli“. Man duzt sich. Sowohl mit der Leiterin des Betriebs, Pia Angele, als auch mit den anderen Mitarbeitenden in Küche und Hauswirtschaft. Rund 30 Frauen und Männer sind im Rummelsberger Hotel-Restaurant angestellt. Einige, wie Angelika, haben eine Behinderung. Im „Anders“ sind sie ganz normale Mitarbeitende.

Angelika fühlte sich sofort wohl im Team

Seit sechs Jahren arbeitet Angelika schon im Hotel und Restaurant „Anders“. Zuvor hatte die 46-Jährige 12 Jahre in einer der Auhof-Werkstätten in Hilpoltstein Stecker für Lautsprecher gefertigt und in der Wäscherei am Auhof gearbeitet. Als Angelika von einem Praktikum im „Anders“ erfuhr, bewarb sie sich sofort. „Am 2. Februar habe ich angefangen“ – dieses Datum wird Angelika nie vergessen. Im „Anders“-Team fühlte sich die 46-Jährige von Beginn an wohl. Seitdem pendelt sie zwischen Rummelsberg und Hilpoltstein. Dort lebt sie seit zehn Jahren zusammen mit ihrem Freund Mathias. Er ist ebenfalls in der Gastronomie tätig, allerdings in Nürnberg.

Angelika kann gut auf Menschen zugehen

Im „Anders“ erkannte Chefin Pia schnell Angelikas Talent: Angelika kann gut auf andere Menschen zugehen. Ein Riesenplus in der Gastronomie. „Wenn sie nicht hier ist, dann fehlt etwas“, sagt Pia. Sie habe Angelika noch nie schlecht gelaunt erlebt, sagt die 50-jährige Hotelbetriebswirtin mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung. Angelika sei immer freundlich und ausgeglichen, auch wenn es im Betrieb mal turbulent zugehe. Die Hotelchefin gibt klare Strukturen vor – sie helfen Angelika dabei, auch bei großen Veranstaltungen den Überblick zu behalten. Die beiden Frauen verstehen sich prächtig. Wenn Angelika mal jemand zum Reden braucht, findet sie bei Pia ein offenes Ohr.

Pia hat Angelika gezeigt, was einen guten Service ausmacht

In den sechs Jahren, in denen Angelika nun im „Anders“ arbeitet, hat sie viel von Pia gelernt. In der ersten Zeit arbeitete sie „auf Etage“, erledigte vor allem Arbeiten rund um die Gästezimmer und Sanitärräume. Inzwischen übernimmt die 46-Jährige Aufgaben im Ausschank, boniert Essen, baut das Frühstücksbuffet auf und ab und hilft bei Veranstaltungen. Pia hat Angelika auch gezeigt, wie man die Tische herrichtet. Wie man zum Beispiel Servietten mit „Haube“ und „Spitz“ dekorativ faltet oder das Besteck perfekt platziert. Eine Aufgabe, die Angelika viel Spaß macht, denn die Gäste sollen sich ja schließlich wohl fühlen. Doch das Schönste an der Arbeit im „Anders“? – „Den Gästen das Essen servieren“, sagt Angelika und strahlt.

Text: Dorothée Krätzer