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Das Team an der Kreissäge

Nicole und Holger arbeiten gemeinsam in der Schreinerei am Auhof

In der Werkstatt riecht es nach Harz und frisch geschnittenem Holz. Maschinen brummen, gelegentlich unterbrochen vom Aufkreischen einer Kreissäge. Überall lagert Holz in allen möglichen Größen und Formen. Warm und laut ist es in der Schreinerei des Auhofs in Hilpoltstein, die zu den Werkstätten für Menschen mit Behinderung der Rummelsberger Diakonie gehört. Hier ist der Arbeitsplatz von Nicole Schrüfer und Holger Gmelch.   

Holger zeigt Nicole wie man sägt und schleift.  

Nicole erinnert sie sich ganz genau, wie sie an einem Aschermittwoch das erste Mal unten in die Schreinerei kam und Holger kennen lernte. „Unten“, sagt die lebhafte Frau mit dem Käppi, denn das Gebäude liegt an einem Hang und die Werkstatt befindet sich eigentlich im Bereich des Kellers. Seitdem arbeiten die beiden als Team zusammen: Schreinermeister Holger erklärt der 40-Jährigen die Arbeitsvorgänge. Zeigt, wie sie die Werkstücke an Sägen und Schleifmaschinen bearbeiten soll. Besonderes wichtig ist dem 44-Jährigen dabei die Sicherheit, damit sich Nicole nicht verletzt.   

Nicole arbeitet gerne mit Holz  

Nicole liebt ihren Job in der Schreinerei. Wenn ihre Hände nach Holz riechen und sie ruhig, konzentriert ganz für sich arbeiten kann. Wenn aus einem Stück Holz etwas Schönes oder Nützliches entsteht, sei es ein Dekoartikel, ein Regal oder eine Gartenbank. Das sei ein ganz anderes Arbeiten als in der Gärtnerei, sagt die Powerfrau, als an den Händen Erde klebte und diese ständig schmutzig waren. Bevor sie ihre Ausbildung in der Schreinerei begann hatte Nicole ein Schnupperpraktikum in der Gärtnerei gemacht; um herauszufinden, welche Arbeit ihr liegt. Als sie danach in die Schreinerei wechselte, entdeckte sie ihre Liebe zum Holz und Holger ihre Begabung im Umgang mit den Maschinen. Schnell war Nicole klar: Hier gehöre ich hin.  

Holger kann sich auf Nicole verlassen  

Ruhe strahlt Holger aus, wirkt geduldig, humorvoll. Man spürt, dass sich beide respektieren und gut verstehen. Er sehe schnell, wie sicher jemand an die Maschinen geht, sagt er, ob ruhig, oder mit Hektik und Stress. Bei Nicole habe von Anfang an alles gepasst, erinnert er sich, sie sei zu hundert Prozent zuverlässig.

Nicoles Stärke ist ihre Präzision und Achtsamkeit. Die 40-Jährige sieht sofort, wenn etwas nicht korrekt gearbeitet ist. Sägen, schleifen oder glätten - mit großem Geschick geht sie mit den Maschinen um. Nach und nach lernt sie unter Holgers geduldiger Führung alle Geräte kennen, sei es Vierkanthobler, Tischfräse oder Formatkreissäge. Allein vor der Bandsägemaschine hat sie großen Respekt und hält lieber Abstand. Doch zur Arbeit in der Schreinerwerkstatt gehört noch mehr: die Präsentation der Produkte auf Messen, Märkten und Gewerbeausstellungen. Findet eine Veranstaltung im näheren Umkreis statt, verkaufen Nicole und die anderen Beschäftigten selbst ihre Produkte, etwa auf dem Weihnachtsmarkt in Hilpoltstein, oder auf dem Markt in Neumarkt.   

Nicole und Holger setzen sich gemeinsam Ziele  

Ihre Zuverlässigkeit, das handwerkliche Geschick, die Ruhe und Sorgfalt – das schätzt Holger an Nicole. Zurzeit bearbeitet das Team Auflagen für Kinderbänke. An der stationären Oberfräse rundet Nicole Kanten von rechteckigen Kieferplatten ab, damit sich die Kinder später nicht daran verletzen. „Ich mag es, allein zu arbeiten“, sagt die selbstbewusste Frau. Ihr nächstes Ziel und zugleich eine neue Herausforderung: die Fräsmaschine, deren Bedienung ihr Holger demnächst zeigen will. Denn um besser zu werden braucht es Ziele und Herausforderungen. „Wir zwei kriegen das hin“, sagen Nicole und Holger.   

Text: Dorothée Krätzer