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Alle guten Dinge sind drei

Celine, Pan und Congyi machen gemeinsam die Ausbildung zur Altenpflegerin / zum Altenpfleger

In den Gängen der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Nürnberg geht es bunt zu. Kleinere und größere Schülergruppen stehen zusammen – genießen die kurze Pause zwischen den Fächern „Planung, Durchführung, Dokumentation und Evaluation der Pflege alter Menschen“ und „Theoretische Grundlagen altenpflegerischen Handelns“. Sie unterhalten sich über die letzte Schulstunde oder besprechen Lerngruppentreffen am Nachmittag. Dabei ertönt ein lustiger Mischmasch aus Deutsch, Englisch, Spanisch, Chinesisch und anderen Sprachen. Auch die 17-jährige Celine Roßner, die 28-jährige Chinesin Pan Yang und ihr 33 Jahre alter Landsmann Congyi Wang kommunizieren in mehreren Sprachen sowie über Mimik und Gestik miteinander. Sie sind im ersten Jahr ihrer Ausbildung zum Altenpfleger – und unterstützen sich gegenseitig.

Von China nach Franken

Celine ist in Nürnberg aufgewachsen, Pan stammt aus Nordchina und Congyi, den alle Wubao nennen, aus Shenzhen, das liegt 30 Kilometer nördlich von Hong Kong. Congyi und Pan kamen 2016 nach Deutschland. Über die Berliner Agentur UBG –  Unternehmensberatung und Bildungsanbieter für das Gesundheitswesen, die Pflegekräfte aus Osteuropa und China vermittelt. Beide hatten sich für Deutschland entschieden, weil sie eine qualifizierte Pflegeausbildung machen möchten. Als sie im Herbst 2016 mit der Ausbildung zum Altenpfleger begannen, lernten sie in der Berufsfachschule der Rummelsberger Diakonie in Langwasser Celine kennen.

Celine mag Menschen

Celine arbeitet sehr gerne mit Menschen. „Ich kann eigentlich mit jedem, selbst mit echt schwierigen Menschen“, sagt sie. Deshalb hatte sie sich nach dem Schulabschluss auch für ein freiwilliges soziales Jahr entschieden. Eigentlich wollte sie mit Kindern arbeiten, doch sie landete in einem Altenpflegeheim. „Schon nach zwei Wochen habe ich mich entschieden, dabei zu bleiben und eine Ausbildung im Altenpflegebereich zu machen“, erzählt die 17-Jährige. Im Sommer 2016 begann sie mit ihrer Ausbildung im Stephanushaus in Rummelsberg.

Pan und Congyi fällt der Unterricht schwer

Für Pan und Congyi war es anfangs trotz großen Lerneifers sehr schwer, im Unterricht in der Berufsfachschule für Altenpflege mitzukommen. „Ich habe höchstens 20 Prozent von dem verstanden, was die Lehrerinnen und Lehrer erzählten“, sagt Congyi. Celine fiel auf, dass Congyi, Pan und weitere Klassenkameradinnen und Kameraden, die nicht aus Deutschland stammten, Schwierigkeiten hatten, dem Unterricht zu folgen. Sie kam auf die Idee, immer einen deutschsprachigen Schüler zwischen zwei Fremdsprachler zu setzen, um ihnen bei der Verständigung zu helfen. „Ich landete zwischen Wubao und Pan“, erzählt sie. Dabei zeigte sich, dass Celine ein besonderes Talent besitzt.

Celine kann gut erklären

„Celine kann sehr gut erklären“, sagt Congyi. „Heute hat sie mir den Begriff existenzielle Erfahrung erklärt. Sie hat von ihrem Hund erzählt, den sie in Rumänien gefunden und zu sich genommen hat, weil er von seinem Besitzer sehr schlecht behandelt wurde. Der Hund reagiert immer ängstlich und verschreckt, wenn er Rumänisch hört – weil er mit der Sprache eine existenzielle negative Erfahrung gemacht hat. Das habe ich verstanden“, berichtet der Chinese. Intuitiv wählt Celine die richtigen Worte zur einfachen Veranschaulichung von schwierigen Sachverhalten – auch wenn sie dabei sprachliche Hürden überwinden muss. Pan und Congyi finden: „Celine ist eine prima Erklärerin.“

Pan und Celine sind Freundinnen geworden     

Pans Noten haben sich durch das gemeinsame Lernen mit Celine und Congyi jedenfalls deutlich verbessert. Außerdem sind die 28-jährige Chinesin und Celine Freundinnen geworden und treffen sich auch außerhalb der Schule. „Celine nimmt mich mit in die Kirche und zu Treffen mit der Jugendgruppe. Dort habe ich neue Kontakte geknüpft und fühle mich schon ein wenig zuhause. Das erleichtert mir auch das Lernen. Denn es macht mich fröhlicher, zuversichtlicher und sicherer“, sagt Pan.

Congyi ist sehr gewissenhaft

In einer WhatsApp-Gruppe sprechen Celine, Pan und Congyi auch außerhalb der Schule regelmäßig über ihre Lernfortschritte, diskutieren Themen und beantworten sich gegenseitig Fragen zu Lerninhalten. Congyi ist sehr gewissenhaft und wiederholt alles so lange, bis er es wirklich kann. Inzwischen versteht er die meisten Unterrichtsbeiträge und beteiligt sich auch selbst aktiv am Unterricht. Seine Noten sind deutlich besser geworden und sein Selbstbewusstsein auch. „Ich finde toll, dass er sich alles so merkt was ich sage und dann auch anwendet. Manchmal fallen ihm dabei Dinge auf, die ich übersehen habe. So lerne ich selbst auch dazu“, sagt Celine. „Wir schaffen das zusammen, oder was meinst du, Wubao?“ – „Wenn wir uns anstrengen bestimmt.“

Text: Stefanie Dörr

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